Der Rheingau-Wanderclub Eltville e.V. unterwegs

Wanderwoche im Bayerischen Wald vom 11.-17. Sept. 2004

Samstag, 11 Sept.
Gegen 8.00 h verlassen wir den Rheingau mit dem Bus und fahren Richtung Bayerischer Wald und einer spannenden Wanderwoche entgegen.
Gegen 15.00 h erreichen wir unser Ziel Oberkreuzberg bei Spiegelau und den schönen Berggasthof Grobauer, der uns für eine Woche seine Gastfreundschaft bietet. Berggasthof Grobauer
Nach Erhalt unserer Zimmerschlüssel richten wir uns in den großzügig und gemütlich gehaltenen Räumen häuslich ein. Es gibt erste Erkundungsgänge, Schwimmbadbesuche (Wasser leider zu chlorhaltig) oder auch nur Ausruhen und um 18.00 h das erste Abendessen.

Es gibt jeden Abend ein reichhaltiges Salatbüfett, Suppe, Hauptgericht (in einer Spezialkarte kann unter 5 - 6 verschiedenen Hauptgerichten gewählt werden) und Nachtisch. Alles sehr schmackhaft.
Wir machen uns ein Bild von Oberkreuzberg, es liegt 780 m hoch und zählt momentan 1211 Einwohner. Der Ort wurde bereits im ausgehenden Mittelalter gegründet und ist damit der älteste Ort und gleichzeitig jüngste Ortsteil von Spiegelau. Oberkreuzberg kam erst mit der Gemeindegebietsreform 1978 zu Spiegelau. Oberkreuzberg liegt buchstäblich auf der Sonnenseite.
Eine sehr sehenswerte Kirche und ein Aussichtsturm mit Blick auf das gesamte Bayer- und Böhmerwaldpanorama lohnen jeden Besuch.

Oberkreuzbergkirche Die älteste Kirche Spiegelaus steht in Oberkreuzberg. Im 15. Jahrhundert erbaut, war sie ab 1607 eine Nebenkirche der Pfarrei Schönberg, bis sie 1787 zur Expositur erhoben wurde.
Der Legende nach wurde sie von einem frommen Gutsherren namens Härmann aus Großpinning bei Landau im Jahr 1546 gestiftet.
Vermutlich stand aber schon vorher an gleicher Stelle eine Kapelle. Im 18. Jahrhundert wurde das Kirchenschiff umgebaut und erhielt eine barocke Einrichtung.

Sonntag, 12. Sept.
Nachdem wir uns an dem leckeren und reichhaltigen Frühstücksbüfett gestärkt haben, holt uns der Bus ab und entlässt uns in der Nähe von Waldhäuser.
Wir marschieren bei leichtem Regen recht streng bergauf bis zu der Lusenschutzhütte; sie ist nur wenige 100 Meter unterhalb des Lusengipfels gebaut, der 1373m über NN liegt.
Hier kehren wir ein, löschen unseren Durst, ruhen uns ein weinig aus und machen uns auf zum Gipfelkreuz.
Am höchsten Punkt angekommen gießt es in Strömen und der Wind pfeift. Wir sehen, dass der ganze Gipfelbereich mit einem Meer von Granitblöcken übersät ist.
Oben können wir ja nicht bleiben, so nehmen wir mutig den steilen Abstieg über die sog. Himmelsleiter in Angriff. Auf der Himmelsleiter geht über 500 Felsstufen abwärts.
Lusenabstieg Allen Himmelsleitern zum Trotz, liegen diese Stufen so als ob der Teufel sie höchst persönlich dort hingeworfen hätte.
Trotz einiger Ausrutscher kommen wir glücklich und relativ unversehrt unten an. Dann geht es noch eine Weile durch ein Waldgebiet.
In einer Schutzhütte halten wir willkommene Rast, essen unsere Wegzehrung und machen uns rasch wieder auf den Weg, denn wir haben keinen trockenen Faden auf dem Leib.

Glücklich dieses Abenteuer so bravourös bestanden zu haben besteigen wir den Bus. Zur Stärkung spendiert Helmut Schmidt, im Berggasthof angekommen, jedem Wander "mit Gipfeltaufe" einen Jagertee, der herrlich heiß durch die Kehle rinnt.

Montag, 13. Sept.
Pünktlich holt uns Heinz, unser Wanderführer, vom Berggasthof ab und wir wandern über Palmberg nach Spiegelau. Zuerst besichtigen wir die Glashütte Nachtmann in Spiegelau.
Wir haben eine sehr interessante Führung.
Spiegelau ist ein alter Glasmacherort. Die ersten Hütten gehen auf das 15. Jahrhundert zurück. Dieses alte Kunsthandwerk zelebriert man hier in höchster Vollendung.
Die Krönung ist das mundgeblasene Glas. Die Herstellung hat sich in all den Jahrhunderten kaum verändert. Jedes Stück ist ein Unikat. Die Glashütte Spiegelau stellt natürlich auch hochwertiges Gebrauchskristall her. Die besondere Note bekommt das Spiegelauer Glas durch die Handveredelung.
Wie in jedem Betrieb haben die Glasmacher auch hier ihre eigene Handschrift - klar und schnörkellos, herausragend in ihrer eleganten Funktionalität.
Wir erleben ein faszinierendes Schauspiel! Das Glasmacher-Team rund um den über tausend Grad heißen Schmelzofen arbeitet Hand in Hand. Der eine entnimmt ein Glasklumpen dem Ofen und bläst es immerzu drehend in Form. Wiederum kurz in den Ofen um es geschmeidig zu halten, dann wird noch ein Stück Glas, je nach der entgültigen Gestalt, aufgepfropft. Zuletzt müssen die Glasteile in einen immer noch einige hundert Grad heißen Kühlofen um die Spannungen zu neutralisieren. So formen die Meister hauchzarte Kunstwerke aus der rotglühenden Glasschmelze. Meister Köck mit Sohn
Nach der Besichtigung führt uns der Weg durch den Park, über einen Holzdamm, einen Walderlebnispfad für Kinder nach Riedlhütte. Hier besuchen wir die "Scherbenhütte" des Herrn Köck, der in seiner Wekstatt, wie der Name schon sagt, aus verschiedenfarbigen Glasscherben Unikate herstellt. Vom Kitsch bis zum Gebrauchsartikel ist fast alles zu finden.
In dieser Hütte werden wir gastlich bewirtet mit herrlich süffigem Bier und leckeren Schnitten.
Der Sohn des Meisters hilft mit als vorgeführt wird, wie z.B. ein Hahn aus bunten Glas hergestellt wird. Zur Unterhaltung spielt er auch auf der Ziehharmonika und wir tanzen eine Polonaise durch den Raum.
Dann geht es weiter zu Fuß zurück nach Spiegelau. Hier besuchen wir noch ein Schnapsmuseum. Schwerpunkt liegt, wie soll es anders sein, auf Bärwurz- und Blutwurzschnaps.
Der Bus holt uns wieder ab und kurz vor 18.00 h erreichen wir den Gasthof. Zum Auslüften des vereinnahmten Alkohols machen fünf Damen aus der Gruppe nach dem Abendessen noch einen ausgedehnten Spaziergang.

Dienstag,14.Sept.
Wie gehabt, Punkt 9.15 h Abfahrt, diesmal per Bus nach Klingenbrunn. Wir machen einen Abstecher nach Rinchnach, denn hier steht eine sehr schöne barocke Kirche aus dem 17. Jhdt. Sie wurde 1010 als Holzkirche von Gunter von Thüringen gegründet, er hatte das Land urbar gemacht. Die Kirche ist Johannes dem Täufer gewidmet.
Von hier fahren wir weiter zur Burgruine Weißenstein. Wir können den Turm besteigen und haben einen schönen Blick. Zu den Füßen der Ruine hat ein Künstler namens Schmitt einen so genannten gläsernen Wald gestaltet, also verschiedene Baumarten ganz aus Glas geschaffen.
Es geht weiter durch das Städtchen Regen, in dem die Firma Rodenstock angesiedelt ist, nach Viechtach. Zwischen Viechtach und Schönau befindet sich die sog. "Gläserne Scheune". Hier hat der schon o.g. Künstler Schmitt sein Atelier und eine Ausstellung durch die wir geführt werden. Er hat hier in großformatiger Glasmalerei das Leben des Räubers Mühlhirsel dargestellt. Außerdem sind Arbeiten in einer speziellen Technik - Bleistift auf Glas -zu sehen.
Hier halten wir auch Mittag und unsere Probiergläschen kamen zum Einsatz (ein Hoch den fleißigen Flaschenträgern). Weiter geht es zur Burgruine Neunussberg, die gerade restauriert wird und wir daher nicht weiter besichtigen können.
Die Fahrt geht weiter nach Arnbruck (Weinfurter Glasdorf). Hier ist ein Zentrum geschaffen worden zum Verkauf von Glaswaren aller Art. Der Phantasie sind hier wirklich keine Grenzen gesetzt. Das ganze ist ein riesiger Verkaufspark mit Blumenrabatten, großen und kleinen Geschäften, Cafes usw. am Arbersee
Zum Schluss nehmen wir noch den Arber in Angriff und fahren bis zum großen Arbersee, wo wir kurz Rast machen, am See sitzen und uns über die tanzenden Sonnenstrahlen auf dem See erfreuen. Leider müssen wir uns schnell von dem Anblick trennen, denn der Busfahrer wartet darauf, uns wieder nach Hause zu bringen.
Wir fahren über Regenhütte, Ludwigsthal, durch Zwiesel nach Frauenau und erreichen dann Oberkreuzberg.
Da wir aber schon um 17.00 h daheim sind nutzen wir die Gelegenheit, den Turm hinter unserem Gasthof zu besteigen.
Die 120 Stufen zu erklimmen lohnt sich, denn wir haben eine wunderbare Fernsicht in den schönen Bayerwald.
Auf dem Rückweg schauen wir uns noch die kleine Barockkirche an, in der die Orgel gespielt wurde, womit der Tag wunderbar ausklang.
Nach dem Abendessen sorgt die Wirtin mit Bingo spielen für Kurzweil.

Mittwoch, 15. Sept.
Heute ist eine wildromantische Klammwanderung angesagt. Wir fahren wie jeden Tag pünktlich los, diesmal nach Freyung.
Hier beginnt für uns eine wildromantische Wanderung: Hägebrücke in der Buchberger Leite
Das unter Landschaftsschutz gestellte Wandergebiet rund um die "Buchberger Leite" im Landkreis Freyung-Grafenau ist eine der beeindruckenden Schluchtenlandschaften des Bayerischen Waldes. In der Buchberger Leite fließen - von den Grenzbergen her - der von Finsterau kommende Reschbach und der Saußbach zur Wolfsteiner Ohe zusammen. Erst einzeln, dann gemeinsam kämpfen sich ihre Wildwasser rauschend und schäumend durch die Leite. Steile Felsriegel zwingen die geröllreichen Wildbäche in ihr tief eingeschnürtes Bett. Triftmauern und Kanäle, bei denen das Wasser scheinbar bergauf fließt, zeugen vom menschlichen Wirken. Die überregionale Bedeutung der Buchberger Leite zeigt auch das vom Bayerischen Umweltministerium verliehene Gütesiegel "Bayerns schönste Geotope".
Der Erlebniswanderweg "Mensch und Natur" in der Buchberger Leite mit einer Länge von ca. acht Kilometern liegt zwischen Freyung und Ringelai. Soweit die Aussage des Tourist Infobüros in Freyung.
Wir erreichen einen Durchbruch des Felsens, dessen Eingang wie zu einer Höhle erweitert ist. Hier machen wir Rast, essen unsere Brotzeit im Trockenen und nach Durchquerung des sich anschließenden kurzen Tunnels erreichen wir ein stillgelegtes Karbidwerk, in dem es heute eine Diamantschleiferei geben soll.
Jetzt geht es weiter durch die Schlucht und wir erreichen, die uns schon angekündigte Hängebrücke. Immer zwei und zwei schaukeln wir über die Holzkonstruktion, die an Stahltauen aufgehängt ist.
Kurz darauf erreichen wir Ringelai. Wir kehren in einen Gasthof ein und stärken uns mit Bier und Bärwurz. Der Bus holte uns ab und wir landen alle glücklich und angefüllt mit Erlebnissen wieder im Hotel.

Donnerstag,16.Sept.
Schon ist der letzte Wandertag angebrochen und nach dem vielen Regen haben wir heute wunderschönes Wetter. Die Sonne strahlt als ob sie etwas gutzumachen habe. Unser Führer Heinz hat für uns heute eine Wanderung von Oberkreuzberg nach Grafenau ausgesucht. Wiesenaufstieg
Er führt uns auf einem wunderschönen Weg durch Wälder und Wiesen. Auf Gräsern glitzert die Nässe des Regens als wären sie mit Diamanten überschüttet. Die Luft ist wunderbar klar und rein. Es geht am Rehberg und Hohen Sachsen vorbei.
Wir erreichen nach einer Vesperpause an einer Hütte die Stadt Grafenau. Nach einem Erkundungsgang durch Grafenau und den Kurpark holt uns der Bus ab und wir sind heute recht früh, nämlich 15.00 h zu Hause und können in aller Ruhe schon die ersten Sachen packen, uns ausruhen und vor allen Dingen uns auf den Abschluss freuen.
Nach einem leckeren Abendessen sitzen wir bei Musik, unterbrochen von lustigen Einlagen durch die Wirtin, vergnügt zusammen. Helmut Schmidt hält zwischendurch Elogen auf das Haus und deren Mitarbeiter in unserer aller Namen. Dann wird auch noch das Tanzbein geschwungen und man kann von einem gelungenen Abend sprechen.

Freitag,17.Sept.
Jetzt wird es Ernst. Alles ist gepackt. Das letzte Frühstück eingenommen. Noch einmal bekommen wir ein Lunchpaket. Der Bus der Firma Schmidt kommt pünktlich vors Haus und nun heißt es Abschiednehmen. Die Wirtin verabschiedet sich im Bus noch persönlich von jedem. Der Bus hat freie Fahrt und so kommen wir pünktlich am frühen Nachmittag zu Hause an.
Fazit: Es war eine wunderbare, erlebnisreiche Reise. Bestens organisiert, nichts ließ zu wünschen übrig, außer dem Wetter und da haben wir ja keinen Einfluss. Diese Wanderwoche hat wieder Spaß auf mehr gemacht und wir freuen uns schon aufs nächste Jahr und sind gespannt was für Ziele geplant sind.

Gerlinde Emami und Franz Kruft im September 2004

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